„Literarisierung der Person und des Werkes von A.W. Amo“

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Der lange im Allgemeinwissen vergessene afrikanische Philosoph der Aufklärung Anton Wilhelm Amo ist heute nicht mehr nur für die Philosophie, sondern auch für die in-terkulturelle bzw. postkoloniale Literaturkritik interessant. Eine literarische Inszenierung ist „erstens Roman und zweitens keine Historie“ (zit. nach Nünning 1995, 129), wie Alfred Döblin treffend formuliert. Anders als histori-sche Abhandlungen haben Fiktionen nicht die Funktion der Wahrheitsfindung, und das Modell im Text muss nicht un-bedingt mit dem Modell in der Wirklichkeit übereinstim-men. Dennoch können Schriftsteller der inszenierten Per-son gegenüber entweder affirmativ oder kritisch sein. In den untersuchten Texten dienen die Mechanismen der Lite-rarisierung von Amos Leben und Werk im Allgemeinen dazu, seine Größe, Bedeutung und Einmaligkeit ins Bild zu setzen. Amo erscheint nie als schwacher und deprimierter, sondern als handelnder, reflektierender, philosophierender und dichtender Held. Dies ist kaum erstaunlich, denn die Wiederentdeckung seiner Figur geschieht im Rahmen der diasporischen Arbeit. Amo steht im Rampenlicht der diasporischen Öffentlichkeit, die in ihm das Modell einer positiven Utopie, den Philosophen mit dem Lehrspruch „Lass’ dich nicht unterkriegen!“ in der Empfangsgesell-schaft zelebrieren. Vor diesem Hintergrund hat die Litera-risierung der Person und des Werkes von Amo Nebenwir-kungen: nicht selten wird sein Leben mit Rückbesinnungs-tendenzen mit der Herkunftsidentität oder mit persönlichen Belangen in Zusammenhang gebracht. Dabei beruhen diese verbreiteten Weltbilder bisweilen auf Unwissen oder Nai-vität, können bisweilen aber auch als rassistisch bis pervers bescheinigt werden. Schließlich muss feststellt werden, dass die literarische Figur Amos nicht nur als Held der af-rikanischen Diaspora in Deutschland erscheint. Sie entfal-tet sich eher „in einem bereichernden `Dritten Raum´ jen-seits der kolonialen Dichotomie“, um mit Göttsche (2014, 404) zu sprechen. Sie hat eine weitgehende Bedeutung für die verschiedenen postkolonialen Diasporas (Tawada) so-wie für das Selbstbewusstsein der für eine Stimme kämp-fenden Afrikaner (Cobbinah).

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