„Literaturwissenschaft professionalisiert und entartet? Einige Überlegungen zur Strukturreform des Germanistikstudiums in Benin im Kontext vom LMD“
Abstract
Der vorliegende Beitrag geht der Frage nach, welche inhaltliche Veränderung die Implementierung der Bologna-Reform im afrikanischen Hochschulsystem für das Studienangebot „deutsche Literatur“ haben kann. Literaturwissenschaft gehört bekanntlich zu den Fächern, die in diesem Kontext schwer zu modularisieren sind, weil sie von ihrem Gegenstand her im Diskurs zu lehren und zu lernen sind. (Borgwardt 2010). Ausgehend von meinen eigenen Unterrichtserfahrungen mit dem aktuellen Studienprogramm der Deutschabteilung der Universität Abomey-Calavi in Benin möchte ich über die strukturelle Modularisierung berichten, durch die das vornehme Studienangebot „Literaturwissenschaft als interkultureller Entwicklungsforschung“ (Sow 1986 / Ndong 1993/ Kreuzer 1996) zu entarten droht. Die strikte Modularisierung des LMD-Systems, welche Professionalisierung und Berufsbezogenheit verspricht, betont zu sehr die individuellen Berufsperspektiven zuungunsten der Forscherpersönlichkeit. Man läuft Gefahr, leicht abbaubare Abschlüsse zu verkaufen, deren Absolventen außerhalb des dafür gedachten Arbeitsmarkts zu nichts Vernünftigem taugen würden. In diesem Sinne ist folgender Vorschlag zu verstehen: erst studieren, dann professionalisieren.
