LUTHER-DEUTSCH ALS "INGREDIENS" DER SPRACHLICHÄSTHETISCHEN GESTALTUNG VON GOETHES GÖTZ

Abstract

Auch wenn nicht unbedingt in einer chronologischen Kontinuität erfährt die Luthersprache eine gewisse Perpetuierung darin, dass ihr über Dekaden hinweg auch literaturgeschichtlich weiterhin Huldigung dargebracht wird. Anschaulich hierfür darf Goethes – shakespearienisch geprägter – Sprachgebrauch (vgl. Berndhardt, 2014) in seinem Goethes Stück Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand stehen, dessen 'Sprachmosaik' das Lutherdeutsch zum mit konstituierenden Sprachmuster hat. In neutraler Distanzierung von der Polemik, dass Luther „'Schöpfer' [der deutschen] Schriftsprache [oder] eher 'Nachzügler'“ (vgl. u.a. Besch, 1999, S. 4) wäre oder im Gegensatz dazu er „nicht der Sprachschöpfer [ist] […][, sondern] eingebettet in die Entwicklung“ (vgl. Kettmann, 2008, nachträglich Besch, 2014) bzw. ob ihm überhaupt eine [ausschlaggebende] „Bedeutung“ hinsichtlich der „Ausbildung der neuhochdeutschen Schriftsprache“ (vgl. Burdach, 1996) zuzusprechen sei, verfolgt die vorliegende – nicht primär sprachhistorisch ausgerichtete – Studie einen neuen Ansatz. Ihr Ziel ist es vielmehr, wie es sich in der Themenformulierung herausartikuliert, Goethes Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand im Hinblick auf seine sprachlich-ästhetische Gestaltung, nämlich unter dem besonderen Aspekt dessen Bestand an Relikten des „Lutherdeutsch“, exemplarisch hermeneutisch bzw. analytisch-interpretatorisch zu reflektieren. Hierbei werden den Leitfragen nachgegangen, ob und inwieweit Luthers epochenbrechende Sprachwirkung (vgl. Besch, 2014, S. 49, u.a.) in Goethes Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand Resonanz aufweist und nicht zuletzt was dies an Implikation im Sinne eines Neu-Lesens des gewürdigten Werkes beinhaltet. Die Studie stellt die epochenübergreifende Perennität der [Sprach-]Wirkung Luthers insbesondere in der Literatur heraus, wovon die – in zwar restringiertem Ausmaß bestehende – jedoch würdigungswerte Präsenz von Relikten der Luthersprache sowie lutherbezogenen biographischen Spuren im untersuchten Drama wohl bezeugen kann. Insofern stellt sie rezeptionsästhetisch ein neues Herangehen an das Drama dar.

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